Volkssolidarität im 80. Jahr

Im Vorfeld des 80. Jubiläums hat Peter Meusel im Auftrag des Bezirksvorstandes Pankow mit ehemaligen Entscheidungs­träger:innen gesprochen, die die Entwicklung der Volkssolidarität in Berlin über Jahrzehnte geprägt haben. Zwei dieser Wegbegleiter – Dr. Klaus Sack und Hermann Wieland – gaben im Interview mit Herrn Meusel Einblicke in ihr Wirken. Ergänzt wird der Rückblick durch Herrn Meusels Erinnerungen an Irmgard Lange, die über viele Jahre in Karow aktiv war.

Pädagoge, Sozialberater und Ehrenamtlicher

Dr. Klaus Sack, der im Februar 2025 seinen 89. Geburtstag feierte, ist Ehrenmitglied der Berliner Volkssolidarität. Nach der Wende absolvierte er eine Umschulung zum Sozialberater – der Beginn seiner hauptamtlichen Tätigkeit in der Volkssolidarität Berlin. Bald übernahm er die Leitung der Geschäftsstelle Prenzlauer Berg.

Seine Arbeit war geprägt von Umbrüchen: Noch standen Strukturen aus DDR-Zeiten, gleichzeitig mussten neue Projekte, gesetzliche Vorgaben und wechselnde Finanzierungsmodelle bewältigt werden. Rund 60 Mitarbeitende gehörten zu seinem Verantwortungsbereich – ein Team, das durch die alten, fortbestehenden DDR-Strukturen und wechselnde Projektvorgaben immer wieder neu gebildet werden musste.

Neben der direkten Verbandsarbeit im Bezirk galt es, Mitgliedergruppen zu begleiten, Veranstaltungen zu planen und die Finanzen im Blick zu behalten. Kontakte zur Landesgeschäftsstelle und Kooperationen mit anderen Wohlfahrtsverbänden waren ebenso wichtig wie herausfordernd – manchmal geprägt von Konkurrenz, oft aber auch von tragfähigen Netzwerken.

Auch nach seiner Pensionierung blieb Dr. Sack aktiv: Er war Mitglied im Landes­vorstand, engagierte sich im Landesseniorenbeirat (LSBB) und arbeitete an wichtigen Projekten wie dem Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz, den Leitlinien zur Seniorenarbeit und der Organisation des Gerontologischen Salons mit.

Pionier der Datenverarbeitung

Ein weiterer Gesprächspartner war Hermann Wieland – 90 Jahre alt. Er begann sein Ehrenamt trotz langer Mitgliedschaft erst mit Eintritt in den Ruhestand. Sein Schwerpunkt lag in der Datenverarbeitung – damals noch ein neues Feld.

Er entwickelte ein System, das zunächst in Pankow erprobt wurde und später bis hin zum Bundesverband Anwendung fand. Damit entstanden aussagekräftige statistische Übersichten, die noch heute Grundlage vieler Analysen sind. Zwar war die Eingabe der Daten zeitaufwendig und nicht beliebt, doch Wieland machte deutlich, wie wichtig Zahlen und Auswertungen für die Arbeit des Verbands sind. Sein Rat bis heute: Jüngere Mitglieder gewinnen und ihre Interessen stärker berücksichtigen.

Eine unermüdliche Sammlerin

In guter Erinnerung ist auch Frau Irmgard Lange aus Karow, 95 Jahre alt, ehemalige Kindergärtnerin und seit 1964 Mitglied der Volkssolidarität. Schon drei Jahre später übernahm sie die Leitung der Mitgliedergruppe Stadtrandsiedlung, die sie über Jahrzehnte prägte.

Mit großer Energie organisierte sie Spendensammlungen, die von Jahr zu Jahr wuchsen: Von 240 DDR-Mark 1967 bis hin zu über 4.200 DM im Jahr 2001. Auch Urkunden, etwa für das Sammeln von Sekundärrohstoffen, zeugen von ihrem Engagement.

Die Erinnerungen von Dr. Klaus Sack, Hermann Wieland und Irmgard Lange stehen stellvertretend für viele Ehrenamtliche, die die Volkssolidarität in Berlin mitgestaltet haben. Ihr Einsatz, ihre Ideen und ihr Durchhaltevermögen haben den Verband geprägt und tragen dazu bei, dass er heute ein fester Bestandteil der Berliner Wohlfahrtslandschaft ist.

 

Titelfoto: Dr. Klaus Sack, Ehrenmitglied der Volkssolidarität Berlin.