Täterarbeit ist Väterarbeit: „Beratung für Männer – gegen Gewalt“ will Arbeit verstetigen und ausbauen

Berlin, 20. April 2026. Mit sozialem Training für Täter häuslicher Gewalt hat sich unser Projekt „Beratung für Männer – gegen Gewalt“ seit 1999 einen Namen gemacht. Es ist das größte und älteste Projekt seiner Art in Berlin und weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus anerkannt. Unsere Projektstatistiken zeigen: Mehr als drei Viertel der Klienten sind Väter. Es gilt, die Verantwortung dorthin zu verlegen, wo sie hingehört. Bei den Gewaltausübenden. Die Fallzahlen steigen weiter. Jetzt gilt es, die Täterarbeit auszubauen und zu verstetigen.

Dazu sagt Vorstandsvorsitzende Susanne Buss: „77 Prozent unserer Klienten sind Väter. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, denn Kinder, die in Haushalten mit häuslicher Gewalt leben, leiden sehr darunter. Sie sind einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, im Erwachsenenalter selbst Opfer oder Täter häuslicher Gewalt zu sein. Nur wenn es uns gelingt, Täter dazu zu bringen, Konflikte gewaltfrei zu lösen, verändert sich dauerhaft die Situation in den Familien, werden Opfer geschützt. Täterarbeit spielt hier eine wesentliche Rolle und muss in einer Großstadt wie Berlin verstetigt und ausgebaut werden. Wir brauchen das Land Berlin weiter fest an unserer Seite. Jetzt ist der Moment, durch verbindliche Zusagen klare Kante gegen Gewalt zu zeigen. Das sind wir allen Kindern und Frauen schuldig. Wir begrüßen darüber hinaus die Initiative des Bundes, jetzt Mittel für Väterarbeit ab 2027 auszuschreiben.“

Das Projekt „Beratung für Männer – gegen Gewalt“ ist Teil des Opferschutzes in Berlin und arbeitet Hand in Hand mit Frauenorganisationen. Die Kolleg:innen beraten Männer in fünf Sprachen und erarbeiten mit ihnen die Möglichkeit, Konflikte mit anderen Mitteln als Gewalt zu lösen.

Laut Bundeskriminalamt wurden 2024 insgesamt 187.128 Frauen Opfer häuslicher Gewalt, das ist eine Zunahme von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 191 Frauen wurden getötet. Ein Ende 2025 veröffentlichtes Lagebild verzeichnet zudem einen Anstieg frauenfeindlicher Straftaten im Bereich politisch motivierter Kriminalität um 73,3 Prozent gegenüber 2023. Digitale Gewalt gegen Frauen hat sich binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt. 2024 waren 18.224 Frauen und Mädchen etwa von Cyberstalking, Cybergrooming oder Deepfakepornografie betroffen.