Wann fängt Sucht an?

Sucht betrifft viele – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation. Doch was bedeutet Sucht eigentlich, wo beginnt sie, und welche Hilfen gibt es für Betroffene? Katrin Hoffmann, Leiterin der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Marzahn-Hellersdorf gibt Ein­blicke in ihre tägliche Arbeit.

Während ältere Menschen vor allem zum gesellschaftlich akzeptierten Alkohol greifen, ist bei jüngeren Generationen oft ein vielfältigerer Konsum zu beobachten. „Bei Jüngeren sehen wir häufiger Mischkonsum oder den Gebrauch von Partydrogen, die später nicht selten durch Alkohol ersetzt werden“, erklärt Hoffmann.

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Sucht als chronische Erkrankung, die unter der Klassifikation ICD-11 geführt wird. Entscheidend sei nicht die eine Zigarette oder das Bierchen am Abend, sondern das Ausmaß der Abhängigkeit. „Wenn drei oder mehr Kriterien erfüllt sind – etwa Kontrollverlust, starker Wunsch nach der Substanz oder anhaltender Konsum trotz negativer Folgen – spricht man von einer Suchterkrankung“, so Katrin Hoffmann.

In Berlin gibt es in jedem Bezirk Suchtberatungsstellen, die erste Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige sind. Dort wird kostenfrei beraten, vermittelt und bei Anträgen unterstützt. Ambulante Therapien, Akutbehandlungen im Krankenhaus oder langfristige Reha­bilitationsmaßnahmen gehören ebenso dazu wie Selbsthilfegruppen.

„Das Hilfenetz ist groß – wichtig ist, den ersten Schritt zu machen und sich Unterstützung zu holen“, betont Hoffmann.

Wer sich fragt, ob der eigene Konsum problematisch sein könnte, kann sich selbst fragen: Wie lange schaffe ich es ohne Alkohol oder andere Substanzen? Welche Rolle spielen sie in meinem Alltag? In welchen Situationen greife ich dazu – und warum? Bewusste Pausen vom Konsum wie beim *„Dry January“ können hilfreich dabei sein, das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren.

Weitere Informationen zu dem Angebot finden Sie hier.

 

* Der „Dry January“ (übersetzt: „trockener Januar“) ist eine Mitmachaktion, die aus Großbritannien stammt und sich auch in Deutschland verbreitet. Menschen verzichten bewusst den ganzen Januar über auf Alkohol. Ziel ist es, dem Körper nach den Feiertagen eine Pause zu gönnen, das eigene Trink­verhalten zu hinterfragen und zu spüren, wie gut es tut, ohne Alkohol zu leben.

 

Titelfoto: Symbolfoto aus Canva-Datenbank