Lichtenberg hatte als erster Bezirk den hauptamtlichen Katastrophenschutz in Vollzeit besetzt. Wie steht es dort um die Vorsorge? Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU) im Interview:
Stellen Sie sich vor, morgen tritt ein Katastrophenfall in Lichtenberg ein. Was sollen die Bürger:innen machen?
MS: Ruhe bewahren ist immer richtig. Dann muss man schauen, um was für eine „Lage“ handelt es sich? Das kann ein länger anhaltender Stromausfall sein, Hochwasser, extreme Hitze oder in Ausnahmefällen auch terroristische Aktivitäten. Davon hängen die nächsten Schritte ab. Ganz wichtig ist es, informiert zu bleiben und auf seriöse Quellen zurückzugreifen. Schnell verbreiten sich Gerüchte und falsche Informationen, da sollte man aufpassen, woher man Informationen bezieht und welche man weitergibt. Unsere offiziellen Kanäle im Bezirk und auf Landesebene stimmen sich ab, um einheitlich, korrekt und schnell zu kommunizieren. Informationen gibt es dann über unseren WhatsApp-Kanal, offizielle Social-Media-Kanäle der Berliner Verwaltung und die Internetseite berlin.de. Sind diese nicht verfügbar, besetzt der Bezirk Notfallinfopunkte und die Katastrophenschutzleuchttürme. Dort gibt es Infos und Hilfe. Hilfsorganisationen fahren durch die Straßen und informieren über Lautsprecher. Helfen Sie sich und Ihren Nachbarn – sicher gibt es Menschen in Ihrer Nähe, die Hilfe brauchen.
Wo sind Sie in Lichtenberg in Sachen Katastrophenschutz gut aufgestellt, wo müssen Sie noch nachbessern?
MS: Lichtenberg hat in den vergangenen Jahren im Bevölkerungsschutz ganz gut vorgelegt. Darauf ruhen wir uns nicht aus. Wir haben bald zwei Vollzeitstellen für Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, wir haben Notfallpläne und Material. Und wir setzen gerade ein Projekt für ehrenamtliche Unterstützungskräfte mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) um. Bei diesem ZEUS-Projekt (Zertifizierte ehrenamtliche Unterstützungskräfte) werden normale Bürgerinnen und Bürger ausgebildet, die im Ernstfall wissen, was zu tun ist. Aktuell identifizieren wir in jedem Stadtteil einen Ort, in dem es im Fall der Fälle Hilfe und Informationen gibt. Das wollen wir bis zu den Sommerschulferien abgeschlossen haben und geben die Orte dann bekannt.
Es gibt diese WhatsApp-Gruppe, warum sollte man sich da eintragen?
MS: Wir wollen die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren und krisenfest machen. Wie kann ich vorsorgen, was beinhaltet ein Notvorrat, welche Sirenensignale gibt es? Diese und viele weitere Fragen werden dort aufgegriffen und erklärt. Informiert sein stärkt die Resilienz der Menschen. Im Ernstfall ist er ein wichtiger Kommunikationskanal für offizielle Verlautbarungen. Für Menschen, die diesen Dienst nicht nutzen möchten, gibt es diese Informationen auf unserer Internetseite.
Lichtenberg hat als erster Bezirk die Stelle des Katastrophenschutzbeauftragten mit einer in Vollzeit beschäftigten Person besetzt. Warum?
MS: Die anderen Bezirke haben schon nachgezogen oder tun das gerade. Lichtenberg hat das Thema seit Jahren auf der Agenda, daher sind wir vergleichsweise gut ausgestattet. Aber das werden wir weiter ausbauen. Krisen sind auf der Welt gerade allgegenwärtig. Damit müssen wir umgehen lernen.
Sie sind studierter Theologe und ehemaliger Pastor. Da gehört es zum Job, Menschen durch schlechte Zeiten zu begleiten. Wie informieren Sie Menschen über die Möglichkeit tagelanger Stromausfälle, ohne sie zu beunruhigen?
MS: Die aktuelle Welt- und Nachrichtenlage beunruhigt die Menschen. Je öfter und unaufgeregter wir über das Thema Katastrophenschutz sprechen, desto besser fühlen sie sich gewappnet, ist mein Eindruck. Das Interesse daran ist riesengroß. Ich möchte, dass sich die Menschen gut informiert fühlen. Wichtig ist, dass wir füreinander da sind. Wir haben Experten, die Tipps und konkrete Hilfe anbieten. Wer sich auskennt, kann reagieren bzw. im besten Fall gut vorsorgen. Vermutlich hat sich der Kauf von Campingkochern und Kurbelradios seit dem Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf vervielfacht. Das ist für viele ein Realitätscheck: Der Staat kann nicht für alle Menschen Notstromaggregate zur Verfügung stellen. Wir kümmern uns aber um diejenigen, die es nicht selbst tun können und halten die öffentliche Ordnung aufrecht. Die Gesellschaft, unsere Nachbarschaften und Kieze halten zusammen – das ist ein gutes Gefühl und stimmt mich optimistisch.
Bezirksbürgermeister Martin Schaefer (CDU)
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