Zum Holocaust-Gedenktag

Am 27. Januar jährte sich die Befreiung von Auschwitz zum 81. Mal. Zu diesem Anlass erinnerten wir an Menschen, die verfolgt, entrechtet und ermordet wurden. Erinnerung ist mehr als ein Blick zurück. Jeder Name steht für ein Leben – und dafür, wie schnell Ausgrenzung zur Normalität werden kann, wenn einfache Erzählungen die Wirklichkeit ersetzen. Gerade in einer Zeit, in der vieles komplexer wird, hilft das bewusste Innehalten, differenziert zu bleiben und spalterischen Deutungen zu widersprechen.

Deshalb erinnerten wir zum Gedenktag auch an Dr. Victor Aronstein, einen jüdischen Arzt, der Namensgeber für eines unserer Pflegeheime in Lichtenberg ist. Zeitzeug:innen beschrieben ihn als außergewöhnlichen Menschen. Selbst während seiner Gefangenschaft in Auschwitz wirkte er zwei Jahre lang weiter als Arzt. Sein Andenken wahrt die Erinnerung daran, was Menschlichkeit selbst unter unmenschlichen Bedingungen bedeuten kann.

Dass Wachsamkeit in puncto Antisemitismus notwendig ist, belegen auch aktuelle Zahlen aus Berlin: Einer vorläufigen Statistik der Berliner Polizei zufolge, die der Grünen-Abgeordnete Ario Mirzaie beim Senat erfragt hat und über die der Tagesspiegel berichtet, wurden 2025 deutlich mehr antisemitisch motivierte Straftaten registriert als im Jahr zuvor (von 1.823 auf 2.112). Diese Entwicklung zeigt: Jüdisches Leben braucht heute nicht nur Erinnerungskultur, sondern verlässlichen Schutz, klare Grenzen gegen Verharmlosung und eine Gesellschaft, die hinschaut – im Alltag, in der Sprache und überall dort, wo Menschenwürde angegriffen wird.